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Mietrecht: „Fräulein“ als Schimpfwort?

Paragraphen - Copyright Sylvia Horst(ho) Natürlich, liebe Leserinnen und Leser. Nicht nur die Zeiten ändern sich zum Beispiel in der Berufs- und Arbeitswelt, in der neu gedachten Mobilität der Menschen, in neuen Wohnformen, und in einem entwickelteren Bewusstsein zum Klimaschutz, sondern es ändern sich auch die Sprache, das Freizeitverhalten, soziale und gesellschaftliche Auffassungen, Kommunikationsformen, Höflichkeitsgebaren und insgesamt die Auffassung von einem korrekten Miteinander. So ist die Bezeichnung „Fräulein“ für unverheiratete junge oder früher durchaus auch für gereiftere Damen heute ausgestorben. Während diese Anrede in den aufgerufenen Fällen früher durchaus zur Etikette gehörte und von den betroffenen Damen häufig genug auch eingefordert wurde, steht sie heute auf dem Index. Das wissen wir alle, die wir aktiv und jung oder jung geblieben am Leben teilnehmen.

Muss das auch ein hochbetagtes Vermieterehepaar wissen?
Dieses hochbetagte Vermieterehepaar bezeichnete die spätere Klägerin, ihre Mieterin, im Treppenhausputzplan als „Fräulein“, abgekürzt „Frl.“. Das gefiel der so Betitelten absolut überhaupt nicht. Die Folge: Eine Unterlassungsklage gegen die 89 Jahre alten Vermieter.

Das AG Frankfurt/Main bekam mit Urteil vom 27.6.2019 (29 C 1220/19, Pressemitteilung AG Frankfurt vom 30.8.2019) so gerade eben noch die Kurve. Der Unterlassungsanspruch wurde versagt, die Klage abgewiesen. Der Begriff sei weder ehrverletzend noch beeinträchtige er die Klägerin in ihrem Persönlichkeitsrecht. Die Verwendung dieses Begriffs durch die Vermieter könne allenfalls „als unfreundlich und von mangelnder Kompromissbereitschaft geprägt angesehen“ werden.
Wieso dass, wenn man unterstellt, dass die immerhin 89-jährigen Eheleute und Vermieter den Begriff „Fräulein“ in seiner damaligen Bedeutung in ihrem Sprachschatz adaptiert haben? Denn wenn das so ist, dann wollten sie weder unfreundlich noch mangelnd kompromissbereit sein.
Also: Ergebnis richtig, Begründung falsch.

Ach ja, auch in heutiger Zeit ist ein „Blick über den Tellerrand durchaus erhellend“.
Unterscheiden wir nicht im Französischen zwischen „mademoiselle“ und „madame“ und im Englischen nicht zwischen „Miss“ und „Mrs.“?“ Und im Italienischen zwischen Signorina und Signora? Man könnte das noch weiter fortführen. Aber haben wir zum Beispiel wie die Franzosen eine école nationale, die dort sprichwörtlich auf die Sprachentwicklung achtgibt? Nein, wir leisten uns stattdessen vor den Gerichten die Auseinandersetzungen über so epochale Fragen wie die korrekte Geschlechterunterscheidung in amtlichen Formularen oder in Stellenanzeigen oder auch zu der Frage, ob heute ein kleines Mädchen Anspruch auf Aufnahme in einen Knabenchor hat.

© Dr. Hans Reinold Horst

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